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Der Kapitän geht von Bord

Nils Göwecke verabschiedet sich nach sechs tollen Jahren aus der „Ersten“ – und geht in die „Zweite“

Artikel vom 20. Juni 2026

Der Artikel wird präsentiert von:

    Von Daniel Strauß

    Der Kapitän geht bekanntlich als Letzter von Bord – und genauso ist es auch bei unserem MTV Wolfenbüttel! Denn als letzten von insgesamt zwölf Abgängen verabschieden wir Nils Göwecke, der sich nach sechs tollen gemeinsamen Jahren im Sommer aus der Ersten Herren zurückzieht. Seine Fußballschuhe wird der 34-Jährige aber weiterhin für die Meesche-Kicker schnüren – nämlich in der zweiten Mannschaft.

    Der Gedanke, seine Zeit in der „Ersten“ zu beenden, kam dem defensiven Mittelfeldspieler bereits Ende der vorangegangenen Saison 2024/25. „Ich habe lange überlegt, in welchem Umfang ich dieses Trainingspensum und diese Trainingsintensität noch durchziehen möchte, zumal ich beruflich extrem eingespannt bin. Denn wenn ich etwas mache, mache ich es entweder zu 100 Prozent oder gar nicht“, erklärt der Prokurist eines Versicherungsmaklers in Braunschweig, der sich in der vorletzten Woche mal wieder auf einem Workshop in Karlsruhe befand.

    Zusätzliche Stabilitätsübungen vor dem Training

    Ein Beleg für den Ehrgeiz des „Capitanos“: Als er während der zurückliegenden Spielzeit das Gefühl hatte, dass das vom Einsatz her nicht reicht, beschloss er gemeinsam mit seinen Teamkollegen, vor jedem Training eine halbe Stunde früher da zu sein, um Stabilitätsübungen zu absolvieren. In puncto Trainingszeiten habe sich Nils folglich nicht verstecken müssen. „Da für mich die Familie und der Job aber an erster Stelle stehen“, und der Aufwand in der vereinseigenen Bezirksliga-Truppe definitiv geringer sei, sah der gebürtige Wolfenbütteler nun den Moment gekommen, unter das Kapitel „semi-professioneller Fußball“ einen Schlussstrich zu ziehen.

    Als Regionalligaspieler in richtigen Stadien unterwegs

    In diesem semi-professionellen Fußball war der kopfball- und zweikampfstarke Akteur sein halbes Sportlerleben lang unterwegs. Zu gerne erinnert sich Göwecke an die Regionalligaspiele mit dem BFC Dynamo, als er gegen den FC Energie Cottbus oder Chemnitzer FC in richtigen Stadien vor 8000 Zuschauern auflaufen durfte, „das hat richtig Spaß gemacht“.

    Ein Höhepunkt war ebenfalls der Aufstieg mit Eintracht Braunschweigs U23 in die Regionalliga Nord/Nordost, in der der Lessingstädter und seine Mitspieler in der Saison 2010/11 unter anderem auf den Halleschen FC und Holstein Kiel trafen – und außerdem im Zentralstadion gegen die erste Mannschaft von RB Leipzig antreten durften, wenn auch „nur“ vor 4000 Zuschauern. „Das waren schon krasse Spiele“, zeigt sich der Führungsspieler, der damals gerade mal 18 Jahre alt war, immer noch beeindruckt.

    Mit Eintrachts U23 und TeBe Berlin im Trainingslager in der Türkei

    Als weitere Highlights nennt der erfahrene und robuste Mittelfeldmann die gemeinsamen Übungseinheiten mit den Eintracht-Profis und die Trainingslager mit der Reserve der Blau-Gelben sowie mit Tennis Borussia Berlin in der Türkei: „Das waren schon Ereignisse, die dich dein Leben lang prägen.“

    Durch die Rückkehr zum MTV im Sommer 2020 schloss sich für den ehemaligen U19-Bundesligaspieler dann der Kreis, hatte er doch im Alter von drei Jahren für die Blau-Weiß-Roten zum ersten Mal gegen das runde Leder getreten – das allerdings nicht ganz freiwillig. „Beim SV Halchter gab es damals nämlich kein Jugendteam“, erinnert sich der Sohn von Peter Göwecke, der früher selbst für den Wolfenbütteler SV aktiv war.

    Gegen Lupo aus mehr als 50 Metern erfolgreich

    Bis zur C-Jugend blieb Göwecke junior den Meesche-Kickern treu, ehe er nach seiner letzten Station bei TeBe Berlin vor sechs Jahren dann in seine alte sportliche Heimat zurückkehrte. Für die Mannen von der Oker bestritt er seitdem 55 Oberliga- und 81 Landesligapartien sowie vier Begegnungen im Niedersachsenpokal der Amateure, wobei ihm 40 Tore gelangen. Dabei führte der Linksfuß die Jungs seit seiner zweiten Saison unter den Trainern Stefan Gehrke, Michael Nietz und Deniz Dogan durchgängig als Kapitän aufs Feld – und ging auf dem Platz stets mit seiner Präsenz, Erfahrung und Führungsstärke voran. Unvergessen bleibt auch sein traumhaftes Weitschusstor aus mehr als 50 Metern am 1. Spieltag der abgelaufenen Oberliga-Serie gegen Lupo Martini Wolfsburg, mit dem der Mann mit der Binde den 2:1-Sieg sicherstellte.

    Zwar verpasste der Routinier weite Teile der Rückrunde aufgrund eines Innenbandrisses, außerdem stand am Ende der Spielzeit leider der zweite Oberliga-Abstieg nach jenem in der Saison 2021/22, „durch den Aufstieg in die Landesliga war es aber trotzdem ein schönes Jahr“, findet der Käpt'n. „Überhaupt war meine bisherige Zeit beim MTV sportlich wie menschlich top, ich hatte tolle Trainer und konnte hier unter Profibedingungen trainieren“, wie der 34-Jährige betont.

    Niki, „Stulle“ & Co.: Nils freut sich auf „gute Leute“ in der „Zweiten“

    Er gibt zu, sich nie mit einem anderen Verein beschäftigt zu haben, und freut sich nun darauf, „mit guten Leuten auf gutem Niveau“ in der „Zweiten“ zu kicken. Dabei wird Göwecke auch auf frühere Weggefährten wie Niklas Kühle, den es vom Landesligisten FC Germania Bleckenstedt zurück nach Wolfenbüttel zieht, und eben auch seinen ehemaligen und neuen Mitspieler Mark Philip Wolf treffen, mit dem ihn eine „extreme Freundschaft“ verbindet. „Stulle“ freut sich übrigens schon darauf, „meinem guten Kumpel Nils zu zeigen, wie man in der Zweiten Freistöße über den Fangzaun schießt“ – eine ironische Anspielung darauf, dass dem Innenverteidiger genau das in der MTV-Reserve schon einmal passiert ist.

    In Sachen Standards kann der Spielführer also noch was von seinem Freund „lernen“. Wie lange die heimischen Fans den Regionalliga-erfahrenen Akteur noch im MTV-Trikot erleben dürfen, wird sich dagegen zeigen. „In meinem Alter“, sagt der nun ehemalige verlängerte Arm von Coach Dogan, „schaue ich von Saison zu Saison“.

    Kommentar von Trainer Deniz Dogan: „Nils war in den letzten Jahren ein wichtiger Faktor, Stabilisator und mein verlängerter Arm. Er hat die Jungs extrem gut geführt mit seiner Leaderqualität, die schwierig zu ersetzen ist. Als Leitfigur hat er seine Aufgabe immer zu 100 Prozent absolviert, war zu 100 Prozent dabei in jeder Einheit, ist vorwegmarschiert, war sehr professionell und hat die Jungs mitgezogen. Er ist aufgrund seiner persönlichen Situation ein bisschen zurückgetreten. Ich hätte ihn trotzdem gerne noch bei uns gehabt, weil er auch in seinem Alter sportlich gesehen immer noch eine Bereicherung wäre. Ich bin aber froh, dass Nils die Zweite mit führt und aufbaut und somit MTVer bleibt. Das ist wichtig, da er bei uns schon Legendenstatus hat.“

    Nils, wir danken dir für alles, was du in den vergangenen Jahren für den MTV geleistet hast, und wünschen dir für die Zukunft in der Zweiten Herren alles Gute!

     

    Titelbild: Nils Göwecke (Mitte), hier mit Fabian Henke (links) und Konrad Vollbrecht, wechselt zur kommenden Saison in die „Zweite“.

    Fotos unten in Schwarz-Weiß: Nach seinem wohl schönsten Tor im MTV-Trikot gegen Lupo Martini aus mehr als 50 Metern wurde der Kapitän von seinen Mitspielern gefeiert. Alle Fotos: Tobiasfotowelt/Thede Jakob/Daniel Strauß/MTV Wolfenbüttel