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Für mehr Spielpraxis: „Stulle“ geht in die Zweite

Zwölf Jahre lang war Innenverteidiger Mark Philip Wolf eine prägende Figur in unserer Ersten Herren

Artikel vom 17. Juni 2026

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    Von Daniel Strauß

    Das Abschiedsgeschenk bekam er von Trainer Deniz Dogan. Im letzten Oberliga-Saisonspiel beim BSV Rehden (2:1) in der zweiten Minute der Nachspielzeit eingewechselt, durfte Mark Philip Wolf noch einmal im Trikot unserer Ersten Herren auflaufen. Nach genau zwölf Jahren verabschiedet sich der Verteidiger zum 30. Juni nämlich aus der ersten Mannschaft des MTV Wolfenbüttel, um künftig für unsere Zweite Herren aktiv zu sein.

    Bei transfermarkt.de als Mittelstürmer gelistet

    Auch wenn es für die Lessingstädter trotz des 2:1-Siegs bei den Schwarz-Weißen nicht zum Klassenerhalt reichte, konnte der 30-Jährige seinen Auftritt noch mal genießen: „Mir war klar, dass es nur auf ein paar Minuten hinauslaufen würde. Ich konnte noch mal einen Defensivkopfball setzen, das hat Spaß gemacht.“ Von seinem Coach wurde er in der kurzen Zeit übrigens als Mittelstürmer eingesetzt – eine Position, die auch das Portal transfermarkt.de fälschlicherweise auf dem Profil des Abwehrspielers gelistet hat. Wolfs scherzhafter Kommentar dazu: „Jeder gute Innenverteidiger hält sich für einen guten Mittelstürmer.“

    Freundin Lisanne kommen die Tränen

    Noch emotionaler als für Mark selbst war dessen letzter Pflichtspieleinsatz in der „Ersten“ allerdings für seine Freundin Lisanne. Gemeinsam mit Nils Göweckes Frau Daria hatte diese nämlich zum ersten und einzigen Mal in der zurückliegenden Oberliga-Spielzeit eine längere Fahrt im Mannschaftsbus mitgemacht, um die Meesche-Kicker in Rehden zu unterstützen, was ihr Freund „sehr schön“ fand. Nach Abpfiff kamen Lisanne auf der Tribüne des Stadions in den Waldsportstätten dann die Tränen, worüber sich „Stulle“ nicht wunderte: „Meine Freundin ist mein größter Fan und leidet noch mehr mit als ich selbst. Für sie ist es schwer zu akzeptieren, wenn ich nicht 90 Minuten lang auf dem Platz stehe.“

    Genau das ist auch der Grund, warum sich der 1,87 Meter große Verteidiger dafür entschieden hat, in Zukunft für die vereinseigene Bezirksligatruppe zu spielen. „Ich habe gemerkt, dass es viel Spaß macht, jedes Wochenende in der ,Zweiten’ über 90 Minuten auf dem Feld zu stehen. Ich will jetzt einfach kicken und sehen, was mein Körper in den nächsten Jahren noch hergibt“, betont der Blondschopf, der in der abgelaufenen Runde lediglich drei Kurzeinsätze für die Dogan-Elf absolvierte, dafür aber umso häufiger zum Stammpersonal der MTV-Reserve gehörte. Ein für den gebürtigen Braunschweiger ungewohnter Status, „da ich in meiner bisherigen MTV-Zeit nie unangefochtener Stammspieler und in der eigenen Wahrnehmung auch nie der Leistungsträger war“.

    Vertrauen von Trainer Nietz: „Riesending und überwältigend!“

    Diese Bescheidenheit und Demut sind zwei wesentliche Charakterzüge, die den körperlich starken Rechtsfuß ausmachen. So habe es ihm schon gereicht, in der Landesliga „spielerisch nicht unterzugehen“, als der neue Trainer Michael Nietz den damals 18-Jährigen im Sommer 2014 aus der A-Jugend in die Erste Herren hochzog, worüber Wolf sehr dankbar ist: „Als Micha mir gesagt hat, dass er mich haben will, war das für mich ein Riesending und überwältigend!“

    Sein Debüt für das Männerteam der Blau-Weiß-Roten hatte der zweikampfstarke und einsatzfreudige Akteur schon in der Rückrunde der Serie 2013/14 gegeben, als er in der Partie beim BSV Ölper (1:0) nach 20 Minuten „reingeschmissen“ wurde. Nach dem Rücktritt von Coach Peter Lux im Winter war damals das Interims-Dreiergestirn Marcus Kammel, Nico Lauenstein und Jörn Winkler für die Wolfenbütteler verantwortlich, ehe ab der darauffolgenden Saison dann wie erwähnt „Nitze“ an der Seitenlinie übernahm.

    Was folgte, war zunächst ein großer Umbruch im Kader mit zehn Abgängen und 13 Neuzugängen. „Das alles musste sich erst finden. Über die Jahre hat sich mit Spielern wie Nico Lauenstein, Tobias Block, Alexander Scheinpflug und Timur Abali aber ein harter Kern und damit ein geiles Mannschaftsgefüge herausgearbeitet, was von ,Nitze’ auch vorgelebt wurde“, erinnert sich „Stulle“.

    Das Rumkauen auf einem unbelegten Brot: Wie „Stulle“ zu seinem Spitznamen kam

    Der erhielt in seiner Premierensaison im Männerbereich übrigens auch seinen Spitznamen – genauer gesagt während des Heimspiels gegen den FC Braunschweig (1:0) im November 2014, und das auf kuriose Art und Weise. Gegen den starken Aufsteiger und Tabellenführer stand es zur Pause „Spitz auf Kopf“. Nietz war gerade dabei, in der Kabine das Feuer seiner Jungs so richtig anzuheizen, als der hungrige Mark in der hinteren Ecke ein bisschen verstohlen auf einem unbelegten Brot herumkaute. Mittelfeldspieler Dominik Rittel bekam die Comic-reife Situation mit – und fragte seinen 19-jährigen Mitspieler quer durch den Raum: „Hast du gerade ne Stulle im Mund?“ Die gesamte Mannschaft konnte sich daraufhin nicht mehr halten. „Würde das heute einem jungen Teamkollegen passieren, würde ich wahrscheinlich auch vor Lachen zusammenbrechen“, merkt das langjährige Vereinsmitglied schmunzelnd an.

    Grund zum Lachen, oder genauer gesagt zur Freude, hatten die MTVer dann in den kommenden Spielzeiten – gekrönt mit dem Aufstieg in die Oberliga im Mai 2018 – ein Erfolg, der seinen Ursprung in den Jahren davor hatte. „Zwar waren wir in der Meistersaison im Vergleich mit den Freien Turnern und Vahdet Braunschweig spielerisch nicht die beste Truppe“, räumt Wolf ein, er und seine Mitspieler überzeugten aber mit Mentalität, Charakter und einer enormen Willensstärke.

    „Gesamtheit“ an tollen Eindrücken bleibt hängen

    Als sportlicher Höhepunkt seiner MTV-Zeit ist dem Mann mit der Rückennummer 25 vor allem der erste Aufstieg in Erinnerung geblieben. „Neben dem Platz“ waren es dagegen die winterlichen Feiern in Willingen, die Mannschaftsfahrten nach Mallorca – und die Erinnerung an den Kabinentrakt auf der alten Meesche, „also die Gesamtheit an Eindrücken“, die bei unserem früheren Jugendspieler hängengeblieben sind. Der kopfballstarke Defensivspezialist kickte nämlich bereits seit der F-Jugend für die Mannen von der Oker, zu Beginn noch als Torwart, ehe er nach einem C-Jugend-Jahr beim Stadtrivalen BV Germania Wolfenbüttel sowie einer B-Junioren-Saison mit dem BSC Acosta als A-Jugendlicher an den Friedrich-Ludwig-Jahn-Platz zurückkehrte.

    Da er sich „als junger Bengel nie Gedankten darüber“ machte, wo es für ihn fußballerisch hingehen könnte, war es für den Lessingstädter ein großes Highlight, im Reisebus die Auswärtsfahrten mitzumachen, in Stadien von ehemaligen Drittligisten aufzulaufen, in der Oberliga spielen zu dürfen und zu wissen, „dass ich auch dort nicht fehl am Platz bin“.

    Wortführer auf und neben dem Platz

    In seinen zwölf Jahren in der „Ersten“ absolvierte der erfahrene Führungsspieler, der zudem in jeder Spielzeit in den Mannschaftsrat gewählt wurde, bislang 115 Landesliga- und 34 Oberliga-Partien sowie vier Begegnungen im Niedersachsenpokal der Amateure. Da der Routinier aber nicht immer regelmäßig seine Spielzeit bekam und in den vergangenen Jahren aufgrund von Knieverletzungen „viel von draußen zuschauen“ musste, wuchs der frühere Rechtsverteidiger in die Rolle hinein, auf dem Platz und in der Kabine mit Worten voranzugehen: „Ich war immer nah dran an der Mannschaft, die Jungs liegen mir einfach am Herzen, deswegen finde ich es schön und habe Spaß und Erfüllung daran, wenn mir die jüngeren Spieler zuhören und ich gewisse Themen weitergeben kann“, unterstreicht Mark.

    Schade findet er es, dass es für die Dogan-Elf nicht zum Klassenverbleib in der Oberliga gereicht hat, und die „Zweite“ entsprechend nicht aufsteigen durfte, zumal die Jungs von Interimstrainer Joscha Plünnecke „bewiesen haben, dass sie das Zeug für die Landesliga haben“, sagt der gute Kumpel von Kapitän Göwecke. Auf seine Zeit bei den „kleinen“ Meesche-Kickern freut sich „Stulle“ natürlich trotzdem – und wird dabei seinen größten Fan, seine Freundin Lisanne, sicherlich wieder das eine oder Mal zum Weinen bringen – hoffentlich allerdings aus positiven Gründen…

    Kommentar vom Sportlichen Leiter Michael Nietz: „Mark war der Kapitän der A-Jugend, den ich genau wie Jojo Patz in die Erste Herren hochgezogen habe. Menschlich und fußballerisch hat er sich über die Jahre super entwickelt und ist einfach ein ganz toller Typ.“

    Stulle, wir danken dir für alles, was du in den vergangenen Jahren für den MTV geleistet hast, und wünschen dir für die Zukunft in der Zweiten Herren alles Gute!

    Titelbild: Mark Philip Wolf (rechts) verabschiedet sich nach zwölf Jahren aus der Ersten Herren des MTV. Highlights waren unter anderem der mehrfache Gewinn der inoffiziellen Hallenfußball-Stadtmeisterschaft (Fotos mit goldenem Pokal) oder das Testspiel gegen Eintracht Braunschweig (blau-gelbe Trikots). Fotos: Nicole/Thede Jakob/MTV Wolfenbüttel