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Nach 16 MTV-Jahren: Patz legt Fußballpause ein

Der Abwehrspieler ist voll des Lobes für den Meesche-Club – und schließt eine Rückkehr nicht aus

Artikel vom 15. Juni 2026

Der Artikel wird präsentiert von:

    Von Daniel Strauß

    16 Jahre lang war Johannes Patz Teil der Familie des MTV Wolfenbüttel – zehn davon in der Ersten Herren. Diese lange und wunderschöne Zeit endet am 30. Juni, hat der Abwehrspieler doch für sich beschlossen, eine Fußballpause einzulegen.

    „Die Entscheidung ist mir sehr schwergefallen, weil Fußball jahrelang meine große Leidenschaft war“, wie der 29-Jährige einräumt. Der Entschluss, die Stiefel an den Nagel zu hängen, sei für den 1,92 Meter großen Innen- und Linksverteidiger ein „schleichender Prozess“ gewesen: „Auch als Amateurspieler hast du praktisch nur acht Wochen im Jahr Pause. Dieses Commitment, verbunden mit dem hohen Zeitaufwand neben einem Vollzeitjob, hat nach und nach meine Freude am Kicken leider ein bisschen zerstört.“

    Nun wird sich der Rotschopf erst einmal anderen Dingen zuwenden, „auf die ich Bock habe“: etwa reisen oder neue Sportarten ausprobieren. Sollten aber der Reiz und das Gefühl, gestärkt wieder angreifen zu wollen, zurückkehren, könne es gut sein, dass „Jojo“ sein Sabbatjahr schon nach drei bis vier Monaten abbricht, um sich wieder das Trikot überzustreifen.

    Eine Möglichkeit: die Rückkehr zum SV Fümmelse, für den der Mann mit der Rückennummer 22 als kleiner Junge erstmals gegen das runde Leder trat. „Peitsche“ stammt aus dem Wolfenbütteler Ortsteil, seine Eltern wohnen immer noch dort, außerdem ist er mit etlichen Jungs aus der Ersten Herren des SVF dick befreundet. Eine weitere Option: der Wiedereinsteig bei unserem MTV – ob nun, wie von Betreuer Damian Dziony gewünscht, in der „Ersten“, oder in der vereinseigenen Bezirksligatruppe. Der Wechsel zu einem anderen Landesligisten käme für den Linksfuß dagegen niemals infrage.

    Nun wird der kopfballstarke Defensivspezialist erst einmal raus sein, sich die Partien der Blau-Weiß-Roten aber auf jeden Fall anschauen – und auch das eine oder andere Mal beim Training vorbeischauen. „Es wird aber nicht mehr so sein wie vorher, weil die Kabine die Gemeinschaft und Leidenschaft extrem befeuert hat. Du bist zum Training gekommen, wurdest drei- bis viermal beleidigt, und wusstest: Du bist zu Hause“, merkt der Abwehrspieler schmunzelnd an. Der MTV habe ihn als Menschen einfach geprägt – in positiver wie negativer Hinsicht: „Hier konnte ich mein Herz ausschütten und habe unfassbar viele Freunde fürs Leben gefunden, auch wenn es immer wieder viel Fluktuation und größere Umbrüche gab.“

    Als C-Jugendlicher zu Beginn der Saison 2010/11 zu den Meesche-Kickern gewechselt, rückte er fünf Jahre später in den Herrenbereich auf – und bekam vom damaligen Trainer Michael Nietz sofort das Vertrauen geschenkt: „Micha hat mich wie seinen Sohn behandelt, mich in meinem ersten Herrenjahr direkt in den Mannschaftsrat berufen – und mir gesagt, dass ich unter ihm niemals ein Spiel in der ,Zweiten’ machen werde“, erinnert sich das langjährige Vereinsmitglied.

    Dass „Nitze“ am damals 19-Jährigen aber nicht nur dessen Defensiv-, sondern auch Offensivfähigkeiten schätzte, zeigte sich vor „Jojos“ erstem Finale der inoffiziellen Hallenfußball-Stadtmeisterschaft: „Da hat Micha mir gesagt, dass ich kein A-Jugendlicher mehr bin und mehr aufs Tor schießen muss“ – prompt entschied der junge Mann mit der linken „Klebe“ das Endspiel gegen den Stadtrivalen BV Germania Wolfenbüttel mit drei Treffern praktisch im Alleingang.

    Nach einem einjährigen Auslandsaufenthalt in Australien kehrte der umsichtige und Pass-sichere Linksverteidiger zu den Lessingstädtern zurück – und durfte in den darauffolgenden Jahren etliche weitere Titel bei der Stadtmeisterschaft bejubeln: etwa im vergangenen Januar, als dem Wolfenbütteler eine Minute vor Ablauf der Zeit per strammem Linksschuss der 3:2-Siegtreffer im Finale gelang – und das ausgerechnet gegen seine guten Freunde vom SV Fümmelse. Weitere Highlights waren die jährlichen Vorweihnachtspartys in Willingen, die Mannschaftsfahrten nach Mallorca – und natürlich die beiden Aufstiege in die Oberliga. Zu gerne denkt der Routinier an den 1. Spieltag der Oberliga-Spielzeit 2018/19 zurück, als die „Männerturner“ vor 1300 Zuschauern im altehrwürdigen Meesche-Stadion die von Deniz Dogan trainierte U23 von Eintracht Braunschweig empfingen – und Garrit Golombek mit einem Wahnsinnstor aus 70 Metern in der 82. Minute den 1:0-Sieg sicherstellte. „Das war sehr geil und überragend“, zeigt sich „Peitsche“ von diesem besonderen Moment immer noch beeindruckt.

    Vier Jahre später übernahm Dogan selbst dann das Traineramt bei unseren MTVern – und führte diese mit „super Fußball“, so Patz, in seinem dritten Jahr in die höchste niedersächsische Spielklasse zurück. „Die Landesliga-Meistersaison war geil. Umso bitterer, dass wir direkt wieder abgestiegen sind“, sagt der erfahrene Abwehrmann, der im Herrenbereich 108 Landesliga- und 66 Oberliga-Begegnungen für die Wolfenbütteler bestritt und außerdem sechsmal im Niedersachsenpokal der Amateure auflief.

    Es hätten durchaus noch mehr Auftritte im MTV-Dress sein können, da der hochgewachsene Verteidiger aufgrund von Muskelverletzungen und kleineren Blessuren immer wieder zurückgeworfen wurde. „Ich bin auch nicht der Akribischte und hatte nicht die Gier wie ein Nils Göwecke“, gibt „Jojo“ zu, der nun erst einmal seine ungekannte Freizeit genießen wird. Eine mögliche Rückkehr an den Friedrich-Ludwig-Jahn-Platz steht dagegen Stand jetzt in den Sternen…

    Kommentar vom Sportlichen Leiter Michael Nietz: „Ich habe Jojo damals aus der A-Jugend geholt. Er ist Wolfenbütteler durch und durch und hat sich super entwickelt, sowohl als Fußballer, als auch als Mensch. Es tut schon ein bisschen weh, dass er aufhört, aber er hat sein ganzes Leben beim MTV Wolfenbüttel gespielt und möchte jetzt sein Leben genießen, was ich verstehen kann. Er wird dem MTV aber erhalten bleiben, öfter auf der Anlage sein und ganz oft die Spiele gucken.“

    Jojo, wir danken dir für alles, was du in den vergangenen Jahren für den MTV geleistet hast, und wünschen dir für die Zukunft alles Gute!

    Titelbild: Johannes Patz, hier im Gespräch mit Trainer Deniz Dogan, verabschiedet sich nach 16 Jahren von den Meesche-Kickern. Foto: Daniel Strauß/MTV Wolfenbüttel

    Fotos unten: Der Abwehrspiel bestritt für unseren MTV etliche Pflichtspiele – und durfte auch einige Male den Gewinn bei der inoffiziellen Hallenfußball-Stadtmeisterschaft bejubeln (Bilder mit goldenem Pokal). Fotos: Daniel Strauß/Thede Jakob/MTV Wolfenbüttel/Privat