„Es hat an der beständigen Qualität gefehlt“

Deniz Dogan analysiert die Saison – und findet neben einigen Kritikpunkten auch viel Positives
Artikel vom 10. Juni 2026
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Nach nur einem Jahr müssen unsere Fußballer vom MTV Wolfenbüttel also wieder aus der Oberliga absteigen – und das nach einer Saison, die sich in drei Phasen unterteilen lässt: Dem guten Start in die Spielzeit mit 14 Punkten aus den ersten acht Spielen folgte eine – beginnend mit der 2:3-Niederlage beim SV Holthausen Biene Mitte Oktober – ernüchternde Durststrecke, als die Meesche-Kicker in neun Partien nur einen einzigen Zähler holten.
Durch einen starken Endspurt – Platz 5 in der Rückrundentabelle – meldete sich der Aufsteiger zurück beim Kampf um den Klassenerhalt, rutschte jedoch durch die bittere 2:5-Pleite gegen Eintracht Braunschweigs U23 am vorletzten Spieltag wieder auf einen Abstiegsrang. Zwar gewannen die Lessingstädter zum Abschluss mit 2:1 beim BSV Rehden, beendeten die Spielzeit aber aufgrund des schlechteren Torverhältnisses im Vergleich zum punktgleichen FC Verden 04 und der Eintracht (jeweils 38 Zähler) unter dem ominösen Strich.
Die letzte Hoffnung, die Klasse zu halten, zerschlug sich dann in der Relegation. Nur, wenn der Vizemeister 1. FC Germania Egestorf/Langreder den Sprung in die Regionalliga geschafft hätte, wären die Blau-Weiß-Roten in der Liga geblieben. Die Sollstärke der Oberliga von mindestens 16 Mannschaften wäre in diesem Fall unterschritten gewesen, wodurch unser MTV als bester Absteiger den freigewordenen Platz eingenommen hätte. Zur Enttäuschung der Wolfenbütteler schlossen die Barsinghäuser die Aufstiegsrunde aber als Tabellenletzter ab, weshalb die Elf von Trainer Deniz Dogan künftig wieder in der Landesliga antreten muss.
Im Gespräch mit unserem Pressebeauftragten Daniel Strauß wirft der Coach einen Blick zurück – und analysiert die Spielzeit.
Deniz, wie fällt generell dein Saisonfazit aus?
Die ersten acht Spiele und die Rückrunde waren top. Zwischendurch hatten wir leider eine schlechte Phase, in der wir zwar auch gute Spiele hatten, uns aber zu viele individuelle Fehler erlaubt und keine Punkte geholt haben. Diesen fehlenden Punkten sind wir im neuen Jahr dann hinterhergelaufen. Insgesamt war das Potenzial bei den Jungs zwar da, es hat aber an der beständigen Qualität gefehlt. Fußballerisch und spielerisch waren wir gut und abgesehen vom Hinspiel in Verden und den beiden Partien gegen Eintracht auch nicht schlechter als der Gegner, die anderen Teams waren aber einfach reifer und haben aus weniger mehr gemacht. Auch individuell waren wir nicht so gut, haben zu oft in Eins-gegen-Eins-Duellen gepatzt und ohne Ball nicht die Zweikämpfe geführt, da waren wir einfach noch zu grün.
Trotzdem bin ich mit unserer Entwicklung nicht unzufrieden. Wir hatten mit Hannes Joppich und Akram-Dine Mohamadou zwei Spieler, die sich für höhere Aufgaben empfohlen haben. „Akki“ war für uns ein Glücksfall, der sich super entwickelt hat und wie Hannes ebenfalls in die Regionalliga hätte wechseln können. Das ist eine Bestätigung dafür, dass wir gute Arbeit machen. Zudem darf man auch nicht vergessen, dass wir mit einem Altersschnitt von 21,4 mit die jüngste Mannschaft der Liga hatten. Einige Spieler brauchen einfach noch ein bis zwei Jahre, um auf das entsprechende Niveau zu kommen, das hat uns letztlich das Genick gebrochen. Dennoch haben es die Jungs super gemacht und hätten es verdient gehabt, die Klasse zu halten, was auch absolut möglich gewesen wäre. Allerdings muss man auch sagen, dass die Tabelle am Ende nicht lügt.
Ein Problem war sicher auch, dass gleich etliche Jungs teilweise wochenlang aufgrund von Verletzungen gefehlt haben?
Steffen Suckel hat etwa kaum mehr als zehn Spiele gemacht, und Hannes war nach seiner Schambeinentzündung erst nach der Hinrunde richtig fit. Auch Konrad Vollbrecht mit seiner Power und Diro (Anmerkung: Torwart Direnc Güven) haben uns enorm gefehlt, während wir den Ausfall von Kapitän Nils Göwecke gut kompensiert haben — auch wenn ich deshalb auf viele junge Spieler und A-Jugendliche setzen musste, weshalb uns zum Teil die Leitfiguren und dadurch auch die Stabilität gefehlt haben.
Welche Erklärung hast du dafür, dass ihr nach der Hinrunde mit nur 18 Toren noch die zweitschwächste Offensive, in der Rückrunde mit 41 Treffern dann aber die beste Angriffsabteilung der Liga hattet?
Wir haben im Winter unser Spiel ein bisschen geändert, haben mehr über Außen und schneller in die Zone gespielt, und hatten auch mehr Tiefenläufe. Generell sahen die Spiele aber nicht anders aus, wir haben in der Rückrunde einfach nur unsere Chancen reingemacht – anders als in der ersten Saisonphase, als wir vor dem Tor oft nicht konsequent waren und viele Gelegenheiten verschenkt haben: Wie etwa beim Rückspiel gegen den SC Spelle-Venhaus, als wir ein super Spiel gemacht haben und eine Vielzahl an Torchancen hatten, aber unerklärlichlicherweise 1:2 verloren haben. Das war eines der Spiele, in denen wir Punkte liegenlassen haben, weil wir zu viele individuelle Fehler gemacht haben. Von daher hätten wir 10 Punkte mehr definitiv holen können.
Richten wir den Blick nach vorne: Die Vorbereitung beginnt am 21. Juni. Wie sieht dein Arbeitspensum bis dahin aus?
Ich muss die Trainingspläne für die Erste Herren schreiben, also mir überlegen, wann wir was in welcher Intensität trainieren, und mich fragen, wie unser Spiel in Zukunft aussehen soll. Dafür durchforste ich Datenbanken, um zu wissen, wie ich die Jungs am besten einsetzen kann. Eine Spielidee habe ich schon im Kopf, vielleicht werde ich im Vergleich zur letzten Saison ein bisschen was verändern. Außerdem gibt es regelmäßige Trainersitzungen, und auch die Beach Days und Fußballferiencamps müssen vorbereitet werden. Mit Blick auf die erste Mannschaft wäre es schön gewesen, wenn wir in der Oberliga geblieben wären, es lohnt sich aber auch so, den Weg weiterzugehen, ich habe einfach Bock darauf.
Letzte Frage: Die Kaderplanungen sind schon weit vorangetrieben. Wie viele Neuzugänge sollen noch kommen?
Wir haben noch drei Kaderplätze frei und sind noch auf der Suche nach einem Torwart, einem zentralen Mittelfeldspieler und einem Spieler für die offensive Außenbahn.
Statistiken:
Spieler mit den meisten Spielen/Einsatzminuten:
Felix Lange 29/2610
Blerian Halimi 29/2601
André Linek 26/1861
Maximilian Moslener 26/1653
Fabian Henke 25/1697
Nils Göwecke 23/1973
Akram-Dine Mohamadou 23/1888
Hannes Joppich 23/1704
Niklas Richter 20/1517
Beste Torschützen:
Hannes Joppich 12/7 Vorlagen
Akram-Dine Mohamadou 11/8
Maximilian Moslener 7/6
Nils Göwecke 5/2
Jonas Klöppelt 4/2
Titelbild: Deniz Dogan (links, hier im Heimspiel gegen den 1. FC Germania Egestorf/Langreder) spricht im Interview über die Gründe für den Abstieg. Foto: Daniel Strauß/MTV Wolfenbüttel
