Herausforderung Durst: "Man gewöhnt sich daran"

Barça-Fan Hadi Abou Raya spricht zum Ramadan-Ende über das Fasten – und ein unglückliches Testspiel
Artikel vom 18. März 2026
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Von Daniel Strauß
Der Vergleich mit Christoph Kramer drängte sich geradezu auf. Der deutsche Nationalspieler war im Fußball-Weltmeisterschafts-Finale 2014 in der 17. Minute hart mit Argentiniens Innenverteidiger Ezequiel Garay zusammengeprallt, spielte danach noch rund eine Viertelstunde orientierungslos weiter und fragte Schiedsrichter Nicola Rizzoli sogar, ob dies das Finale sei. Wie sich im Nachhinein herausstellte, erlitt der Mittelfeldspieler eine Gehirnerschütterung und Amnesie, weshalb er sich an große Teile des Spiels nicht mehr erinnern kann.
Ähnlich erging es Hadi Abou Raya nach dem Testspiel unseres MTV Wolfenbüttel gegen die FSV Schöningen (3:4) am 21. Februar. Kurz vor dem Halbzeitpfiff zog ein Gegenspieler dem 24-Jährigen in einem Zweikampf vor dem Strafraum die Beine weg, sodass der Offensivmann nach hinten und unglücklich auf den Hinterkopf fiel. Der dribbelstarke Akteur wurde daraufhin zur Pause ausgewechselt, sah alles nur noch verschwommen und konnte auch nicht mehr selbst Autofahren, weshalb Betreuer Damian Dziony Hadis Onkel Mustapha Sayed anrief, damit dieser seinen Neffen abholen konnte.
Genau wie Kramer hat auch Abou Raya kaum noch Erinnerungen an die Partie. Lediglich ein paar Szenen schossen wenige Tage später wieder in seinen Kopf. Zu allem Überfluss klagte der Rechtsfuß nach einer schnellen Bewegung in der ersten Hälfte auch noch über Knieschmerzen, die sich als Außenbandanriss herausstellen sollten, der den Fümmelser seitdem außer Gefecht gesetzt hat.
Gestern stieg das MTV-Eigengewächs erstmals wieder mit individuellen Übungen ins Training ein, ein Ende der Leidenszeit ist also in Sicht. Und es gibt noch etwas, das für den Studenten der Wirtschaftswissenschaften an der Leibniz-Universität Hannover in Kürze – genauer gesagt am morgigen Donnerstag – endet: und zwar der Ramadan.
Genau wie seine Mitspieler Ömer Güzel, Blerian Halimi und Akram-Dine Mohamadou ist der gläubige Muslim nämlich seit dem 18. Februar am Fasten – was bedeutet, dass zwischen Sonnenauf- und -untergang weder gegessen und getrunken werden darf. Wie das mit semiprofessionellem Sport vereinbar ist? „Dieses Jahr ist es ehrlich gesagt angenehm“, entgegnet Hadi. Denn der Fastenmonat verschiebt sich jedes Jahr um zehn Tage nach hinten, weshalb es in den Sommermonaten, wenn die Sonne erst spät abends untergeht, deutlich härter sei, unter der Woche zu trainieren. Da Ramadan diesmal aber in den Spätwinter fällt, konnte der Offensivkicker kurz vor seiner Verletzung noch bequem drei Datteln, eine Banane sowie ein elektrolytisches Getränk zu sich nehmen, um gestärkt in die Übungseinheiten zu gehen.
Die ersten Tage seien allerdings auch in diesem Jahr hart gewesen, gesteht der Sohn libanesischer Eltern: „Der Hunger ist nicht die Herausforderung, der Durst aber schon. Deshalb habe ich mich am Anfang ein bisschen schlapp gefühlt, danach gewöhnt man sich aber daran.“ Gemeinsam mit seiner Familie stand der Bruder von MTV-II-Spieler Mohamad Abou Raya immer früh auf, um gegen 5.30 Uhr etwa eiweißreichen Haferbrei und 0,5 bis einen Liter Wasser zu sich zu nehmen – und legte sich danach wieder schlafen. Vor dem abendlichen Gang ins Fitnessstudio gönnte sich der 1,77 Meter große Kreativspieler dann auch mal was Süßes und trank mit seinen Angehörigen außerdem gemeinsam Tee.
Abgesehen von dem gemeinsamen Erlebnis mit der Familie sei das Fasten auch extrem gesund. „Es reinigt unter anderem die Zellen, sorgt für verbesserte Insulin-, Blutfett- und Blutzuckerwerte und kann auch den Stoffwechsel kurzzeitig resetten“, zählt der Sympathisant des 1. FC Köln auf, der Dank seines Onkels „Musti“ früher in FC-Bettwäsche schlief, vor allem aber großer Fan des spanischen Top-Clubs FC Barcelona ist.
Als solcher erfüllte sich der Barça-Anhänger im April vor drei Jahren einen großen Traum: nämlich die altehrwürdige Heimspielstätte Camp Nou unbedingt noch vor dem Umbau zu besuchen. „Das war schon sehr nostalgisch“, schwärmt der VW-Werksstudent, der sich mit zwei Kollegen zu einer fünftägigen Reise in die Hauptstadt Kataloniens aufmachte und sich von einem Platz hoch oben im Stadion das Topspiel gegen Atletico Madrid anschaute, das die gastgebende Blaugrana mit 1:0 gewann. „Dabei stand der heutige Superstar Lamine Yamal als 15-Jähriger erstmals im Kader“, erinnert sich Hadi, der morgen ein letztes Mal in diesem Jahr fastet, ehe ab Freitag zum Abschluss des Ramadan das dreitägige Zuckerfest gefeiert wird – gemeinsam mit der Familie, versteht sich.
Titelbild: Besuchte im April 2023 zum letzten Mal vor dem Umbau das Stadion seines Lieblingsclubs FC Barcelona: Hadi Abou Raya, für den der Fastenmonat Ramadan morgen endet (siehe weitere Fotos). Fotos: Privat



