Junger Mann mit großer Verantwortung

Stürmer und FSJler Oliwier Bosacki spielt aus familiären Gründen vorerst für unsere „Zweite“
Artikel vom 21. Februar 2026
Der Artikel wird präsentiert von:
Im ersten Winter-Testspiel unseres MTV Wolfenbüttel II stellte er gleich mal wieder seinen Wert für die Mannschaft unter Beweis: Beim 2:2 (0:1)-Remis gegen Landesligist SSV Kästorf am vergangenen Sonntag auf dem Meesche-B-Platz traf Oliwier Bosacki per Rechtsschuss erst zum 1:1-Ausgleich (62.), ehe er durch einen stramm unter die Latte verwandelten Foulelfmeter in der 90. Minute auch den 2:2-Endstand herstellte. Auch in Zukunft wird der Stürmer, der trotz seines jungen Alters schon eine bewegte Vita vorzuweisen hat, für unser Bezirksliga-Team auf Torejagd gehen – eine Entscheidung, die er in Absprache mit Deniz Dogan, dem Trainer unserer „Ersten“, traf.
Der 19-Jährige muss sich aktuell nämlich um seinen kranken Vater kümmern, was mit dem Leistungsdruck in der Oberliga nicht zu vereinbaren wäre. Seit er 17 ist, wohnt der Braunschweiger bei seinem Papa, der von seiner Frau getrennt lebt, und auf die Hilfe seines Sohnes angewiesen ist. „Wenn sich alles wieder beruhigt hat, werde ich vielleicht wieder oben angreifen“, kündigt Bosacki an, der aus dem polnischen Posen stammt. Sein Vater war beim dortigen Club Lech Posen einst Profi, worauf der Junior, der sich selbst als „Papakind“ bezeichnet, „sehr stolz“ ist.
Er selbst kam bereits als Achtjähriger nach Deutschland – und träumte während seiner Jugendzeit auch von einer Profikarriere. So bestritt der heute 1,81 Meter große Stürmer zwei Spiele für die polnische U16-Nationalmannschaft und traf bei seinem Länderspieldebüt, einem 11:0-Kantersieg gegen Litauen im Oktober 2021, gleich doppelt. Für die U17 absolvierte der Jugendliche dann nur noch Lehrgänge, stand bei der U17-Weltmeisterschaft 2023, die Deutschland durch einen 6:5-Erfolg nach Elfmeterschießen gegen Frankreich gewinnen sollte, für die polnische Auswahl lediglich auf Abruf bereit – und rutschte in der Folge leider vom Radar.
Ähnlich sollte es Bosacki, dessen Lieblingsspieler Superstar Cristiano Ronaldo und großes Vorbild Polens Top-Stürmer Robert Lewandowski ist, auf Vereinsebene ergehen. Vom BSC Acosta zum VfL Wolfsburg gewechselt, stand der Antritts-starke Angreifer zwischen 2021 und 2023 in 33 Pflichtspielen für das U17-Bundesliga-Team der Wölfe auf dem Rasen, wurde damals unter anderem vom heutigen Trainer der VfL-Männer, Daniel Bauer, gecoacht – und qualifizierte sich mit den Grün-Weißen im April 2023 für das U17-Bundesliga-Finale. Das fand vor 20.000 Zuschauern in der Schüco-Arena in Bielefeld statt – und ging leider aus Bosackis Sicht gegen die B-Junioren von Arminia Bielefeld, für die es folglich ein Heimspiel war, mit 1:2 verloren.
Nach zwei erfolgreichen Jahren beim VfL heuerte dann aber ein neuer Leiter des Nachwuchsleistungszentrums bei den Wolfsburgern an – und teilte dem jungen Polen einen Tag vor Saisonende mit, dass es für ihn in der U19 keine Perspektive, sondern nur einen zweijährigen Platz auf der Tribüne geben würde.
Also schloss sich der talentierte Rechtsfuß den A-Junioren von Eintracht Braunschweig an – erlebte aber auch bei den Blau-Gelben eine enttäuschende Zeit und saß eineinhalb Jahre praktisch nur auf der Bank. Um den Spaß am Fußball wiederzubekommen, zog es „Oli“ zum Rückrundenbeginn der Saison 2024/25 zu den A-Junioren des MTV – und damit aus der U19-Bundesliga in die zwei Klassen tiefer angesiedelte Niedersachsenliga. Ein entscheidender Faktor: Offensivspieler Noah Mook, den Bosacki bereits aus gemeinsamen Zeiten beim VfL kannte, und der seinem Kumpel riet: „Komm vorbei!“
Der Braunschweiger hörte auf seinen Freund, und wurde nicht enttäuscht – im Gegenteil! „Die Truppe von Trainer Anthony Pfitzner war richtig nice und hat mich wieder aufgebaut“, schwärmt Bosacki. Auch war er glücklich darüber, dass Dogan in der Landesliga-Aufstiegsrunde 2024/25 auf den torgefährlichen Angreifer aufmerksam wurde und ihm zu drei Pflichtspieleinsätzen verhalf. Zu Beginn der laufenden Spielzeit nominierte der MTV-Coach den ehemaligen A-Jugendlichen dann für die erste Mannschaft.
In der Oberliga durfte der Mann mit der Rückennummer 37 bislang in fünf Partien mitwirken – und wartet in dieser Spielklasse noch auf seinen ersten Torerfolg. Treffsicher zeigte sich „Oli“ mit bislang acht Toren in acht Begegnungen dagegen bei den „kleinen“ Meesche-Kickern, für die er auch künftig auflaufen wird – und sich richtig darauf freut: „Ich drücke der Ersten die Daumen, dass sie den Klassenerhalt schafft, und gönne genauso der Zweiten den Aufstieg. Ich fühle mich einfach richtig wohl in der Mannschaft. Joscha gibt mir das Vertrauen, genau wie es auch Murat in der Hinserie getan hat, das gibt mir einfach viel Motivation. Und auch die Jungs sind lustig und menschlich top.“ Genau das erlebte Bosacki im Testspiel gegen Kästorf, als seine Mitspieler vor dem Elfmeter auf ihn zukamen und zu ihm meinten: „Oli, das ist deiner“ – was einfach ein schönes Gefühl gewesen sei.
Dass der 19-Jährige das Leder mit voller Gewalt unter die Querlatte schweißte, hatte übrigens eine Vorgeschichte, hatte er beim RWS-Cup in Peine im Dezember doch im Halbfinale noch einen Neunmeter verschossen – und zwar flach unten links, und ohne jedes Tempo. „Deshalb habe ich mir diesmal gedacht, dass ich den Ball oben reinwichse. Ich habe ihn satt getroffen, es hat einfach mal gutgetan, wieder zu treffen“, betont Bosacki, der in der ersten Halbzeit für den leider verletzten Mohamad Abou-Raya das Feld betrat und zunächst in der Sturmspitze, nach der Pause dann aber im zentralen Mittelfeld auflief. Wegen einer im Januar erlittenen Oberschenkelzerrung war der Löwenstädter, der das Festmachen des Balles als seine Stärke bezeichnet, übrigens erst seit eineinhalb Wochen wieder im Training gewesen, weshalb er nach der Partie ordentlich Muskelkater hatte.
Allerdings kickt Bosacki bei unserem MTV nicht nur, sondern er absolviert momentan auch sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). „Tony Pfitzner hat mir das vorgeschlagen, weil es sich besser im Lebenslauf macht. Es macht Spaß“, erklärt „Oli“, der einen Einblick in sämtliche Abteilungen der „Männerturner“ bekomme, wobei Fußball auch ein Teil davon sei – etwa in seiner Rolle als Trainer der F4-Junioren – den Jüngsten, die offiziell an Turnieren teilnehmen.
„Es ist mega schwierig und echt viel, weil ich es alleine mache und nebenbei auch noch einen Job bei Netto an der Kasse habe“, gibt Bosacki zu. Die Kinder seien zwar sehr süß, nebenbei auch noch in der Elterngruppe aktiv zu sein und Ausflüge zu planen, sei aber eben sehr zeitintensiv – genau wie das Kinderfasching am vergangenen Dienstag, als der FSJler von 9 Uhr morgens bis 21 Uhr abends in der Lindenhalle sein musste. Da der 19-Jährige noch keinen Führerschein hat, musste er zudem noch etwas früher aufstehen, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Wolfenbüttel zu kommen.
Viele Aufgaben für einen jungen Mann, der sein Leben als „Achterbahnfahrt“ bezeichnet, gleichzeitig einräumt, dadurch schneller erwachsen geworden zu sein – und insgesamt, trotz der nicht einfachen Situation mit seinem Papa, „dankbar für alles“ ist.
Fotos 1-3: Oliwier Bosacki im Testspiel des MTV Wolfenbüttel II gegen den SSV Kästorf
Bild 3: Hier bejubelt der Torjäger (von links) gemeinsam mit Jasper Schmiedel, Mark-Philip Wolf, Jasper Jörß, André Linek und Jakob Merkhoffer seinen Treffer zum 1:1. Fotos (3): MTV Wolfenbüttel/Verein


