Dauerbrenner mit großer Freude am Verteidigen

Innenverteidiger Blerian Halimi hat in dieser Saison noch keine Pflichtspielminute verpasst
Artikel vom 14. Februar 2026
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Blerian Halimi kennt diese Statistik ganz genau: „Ich verfolge das natürlich auf fussball.de und fühle mich sehr geehrt“, gibt der Innenverteidiger unseres MTV Wolfenbüttel zu. Als einziger Spieler des aktuellen Kaders stand der 22-Jährige nämlich in allen bisherigen 17 Pflichtspielen über die volle Distanz von 90 Minuten auf dem Platz – und das in seiner ersten Oberliga-Saison überhaupt. Eine beeindruckende Bilanz, die der 1,91 Meter große Abwehrspieler mit Blick auf das heutige Duell gegen den 1. FC Germania Egestorf/Langreder (14.30 Uhr) und die damit startende Restrunde gerne ausbauen würde. Ein Gespräch über die Freude am Verteidigen, das Herkunftsland seiner Eltern – und die besondere Freundschaft zu einem seiner Mitspieler.
Angesprochen auf die Gründe, warum er aus der Startelf der Meesche-Kicker derzeit nicht wegzudenken ist, erklärt Halimi, „dass ich seit meinem Wechsel zum MTV den Fußball immer an erster Stelle gesetzt habe. Ich bin im Sommer nie langfristig verreist und habe die Winter- und Sommervorbereitung immer komplett durchgezogen. Auch meine Trainingsbeteiligung müsste im sehr guten Bereich sein, da bin ich schon sehr hinterher.“
Als weiteren Faktor für seine Konstanz nennt der Defensivspezialist, den es zu Beginn der Saison 2022/23 von den A-Junioren der JSG SCU SalzGitter in die Lessingstadt zog, „das Vertrauen vom Trainer in meine Qualitäten, sonst würde er mich ja gar nicht aufstellen“. Wenn man Deniz Dogan nach ebenjenen Qualitäten fragt, antwortet der Coach, „dass Bleri ein starker Zweikämpfer ist und fast nie schlecht spielt, sich in Drucksituationen aber schwertut und im Spielaufbau viel mutiger werden muss“.
Damit konfrontiert, entgegnet Halimi, „dass ich den Trainer verstehe. Ich arbeite mit ihm seit Jahren spezifisch am Spielaufbau und Passspiel und würde schon sagen, dass sich das über die Zeit verbessert hat. Allerdings betont der Trainer auch, dass als Erstes die Defensive zählt und alles darüber hinaus Bonus ist.“ Und in seinem Kerngeschäft, der Abwehrarbeit, liefert der Mann mit der Rückennummer 3 regelmäßig ab. Früher in seiner Jugendzeit noch Stürmer, „habe ich mit 16 über den Sommer einen Wachstumsschub bekommen, wurde dann nach hinten verfrachtet und bin seitdem Innenverteidiger“, wie der gebürtige Salzgitteraner verrät.
In der Mannschaft ist der Rechtsfuß bekannt für die Intensität und Schärfe, mit denen er seine Zweikämpfe führt. Sein Mitspieler André Linek vergleicht ihn vom Spielertyp her mit Nationalspieler Antonio Rüdiger, „was das Zweikampfverhalten, den Einsatz, aber auch dieses Bullige und Ekelhafte angeht. Das passt schon“, gibt Halimi zu. Als Fan des deutschen Rekordmeisters FC Bayern München würde er aber „auf jeden Fall“ Ex-Bayern-Innenverteidiger Jerome Boateng als sein großes Vorbild angeben: „Speziell seine Beidfüßigkeit und Flugbälle haben mir schon immer gefallen.“
Womit wir wieder beim Thema Spielaufbau wären – eine Aufgabe, für die beim MTV auch Felix Lange verantwortlich ist. Zu dem 21-Jährigen, der ebenfalls in der Innenverteidigung spielt und vor einem Jahr vom Regionalligisten SV Meppen zu den Wolfenbüttelern wechselte, hatte Halimi sofort einen guten Draht: „Wir haben uns seit dem ersten Tag in der Kabine super verstanden, warten immer gegenseitig, bis wir beide geduscht haben und gehen dann zusammen raus, und sitzen auch bei den längeren Busfahrten nebeneinander. Da hat sich eine gute Freundschaft entwickelt.“
Eine Freundschaft, die dem Dauerbrenner des MTV auch in sportlicher Hinsicht helfe, denn: „Wenn du dich außerhalb des Platzes gut verstehst, verstehst du dich auch auf dem Platz gut, und ich glaube, das spricht für uns beide, wir vertrauen uns einfach blind. Übrigens glaube ich, dass auch Felix alle Partien bestritten hätte, wenn er in der Woche vor dem Spiel gegen Bersenbrück nicht krank gewesen wäre.“
Schön auch, dass sich für die Väter der beiden Abwehrspieler quasi der Kreis schloss. „Die haben nämlich früher im selben Betrieb zusammengearbeitet, und es ist verrückt, dass die beiden wegen uns jetzt wieder aufeinanderzugekommen sind. Manchmal werde ich von Felix’ Papa auf den Arm genommen, manchmal anders herum“, erklärt der Salzgitteraner schmunzelnd.
Stichwort Herkunft: Nachdem Halimis Opa als Gastarbeiter aus Albanien nach Deutschland kam, und auch seine Eltern aus dem Land am Balkan stammen, ist er selbst mittlerweile die dritte Generation. „Ich spreche fließend Albanisch, da hat mein Vater sehr viel wert darauf gelegt, dass ich zweisprachig aufwachse“, erzählt der ehemalige Jugendspieler des SV Union Salzgitter, der früher jeden Sommer in Albanien war – „oftmals am Strand, und sonst immer da, wo meine Großeltern herkommen. Genau wie sie auf dem Dorf bin auch ich sehr familiär aufgewachsen.“
Für Reisen ins Heimatland seiner Eltern ist leider keine Zeit mehr geblieben, seit Halimi bei den Meesche-Kickern ist und den vollen Fokus auf die Sommer- und Wintervorbereitung gelegt hat. Eine Wintervorbereitung wie die aktuelle hat der Leistungsträger, der auf die Spitznamen „Bleri“ und „Ble“ hört, „wobei Ble auf dem Spielfeld schneller von der Zunge geht“, aber noch nicht erlebt, „weil wir ja erst in der zweiten Februarwoche so richtig angefangen haben. Unsere Trainer und der Staff haben sich aber auf jeden Fall bemüht, Hallenzeiten sowie Spinning- und Jumping-Fitness-Kurse zu bekommen.“
Am Ende des Tages, glaubt Halimi, seien andere Mannschaften „durch die Witterung glaube ich auch nicht besser weggekommen. Wir müssen es jedenfalls hinbekommen, dass wir das Spiel gegen Egestorf durchziehen und 90 Minuten lang unser bestes Gesicht zeigen“ – und auch er selbst würde wieder liebend gerne über die volle Distanz von 90 Minuten auf dem Platz stehen…
Titelbild: Fiebert dem Pflichtspielstart entgegen: Blerian Halimi (Nummer 7), hier während des Trainings in der Turnhalle der Grundschule am Geitelplatz. Foto: MTV Wolfenbüttel
Fotos unten: Thede Jakob



